Donnerstag, 29. Januar 2015

Suizidgedanken von Kindern und Jugendlichen

Suizidgedanke(1)

Alltagsprobleme, die sich anstauen
Jeder von uns kennt das Gefühl, wenn man abends im Bett liegt und völlig genervt oder erschöpft vom Tag ist. Dabei kann viel passiert sein: eine misslungene Klassenarbeit oder ein heftiger Streit mit der besten Freundin, vielleicht hat der Vater ein großes Drama daraus gemacht, dass man vergessen hat, den Müll hinunterzubringen, oder die Lehrerin hatte einen mal wieder auf dem Kieker, der Freund hat Schluss gemacht oder die Eltern streiten sich schon seit Stunden und schreien sich an. Diese und andere Ereignisse können einen seelisch mehr oder weniger stark belasten.
Oftmals sieht die Welt am nächsten Morgen dann schon wieder anders aus. Die Probleme und Sorgen sind vielleicht noch da, einige Konflikte noch ungeklärt, doch sie wirken viel kleiner und weniger bedrohlich als am Vorabend.
Doch was ist, wenn der Schlaf die Dinge nicht wieder in die richtige Perspektive gebracht hat, wenn Belastungen sich türmen und irgendwann kein Ausweg mehr in Sicht ist? Vielleicht geht es dir auch manchmal so?

Wenn deine Seele zu stark belastet ist

Es kann sein, dass du dich schon am Morgen wie erschlagen fühlst. Vielleicht bist du vor lauter Grübeleien schlecht eingeschlafen, wurdest oft wach oder hast insgesamt unruhig geschlafen und wurdest von Alpträumen geplagt. Dein Körper konnte sich nach solch einer Nacht wenig erholen und das Erlebte nicht so gut verarbeiten. Dementsprechend schlecht gelaunt startest du in den nächsten Tag und hast wenig Kraft, dich den neuen oder auch alten Herausforderungen im Alltag zu stellen.
Über einen längeren Zeitraum (Wochen, Monate, aber auch Jahre) kann sich seelischer Druck stark potenzieren, so dass bereits kleine Konflikte schwer zu ertragen sind oder scheinbare Kleinigkeiten einen tiefen Schmerz verursachen. Dein Körper ist mit der Zeit erschöpft und antriebslos, die Nächte werden immer unangenehmer und du reagierst schnell gereizt oder genervt. Dein Umfeld erlebt dich vielleicht sogar als aggressiv.
Vielleicht ziehst du dich aber auch eher zurück und versuchst mit deinen Gefühlen allein zurecht zu kommen. Du verlierst zunehmend das Vertrauen zu deinen Freunden, deiner Familie oder gar dir selbst. Möglicherweise willst du andere mit deinen Sorgen nicht belasten und behältst deshalb alles für dich.
Auch Ängste können deiner Seele zu schaffen machen, vielleicht hast du etwas sehr schlimmes erlebt, das du noch nicht richtig verarbeiten konntest.
Tiefpunkt der Krise: Suizid erscheint als Ausweg
Bist du mit diesen oder ähnlichen Gefühlen und Gedanken allein gelassen, fühlt sich die Situation im schlimmsten Fall irgendwann auswegslos an. Die Aggressionen können sich mit der Zeit nach Innen richten, vor allem wenn du keinem deine Sorgen anvertrauen kannst, und du überlegst vielleicht, dir etwas anzutun. Sich das eigene Leben nehmen zu wollen, ist immer erst die Spitze nach einer langen Anhäufung von Problemen und Konflikten.
Auch wenn andere es nicht ernst nehmen, deine Situation für sie nicht so schlimm erscheint, für dich fühlt es sich auswegslos an und dafür musst du dich nicht schämen. Leider macht das Unverständnis von anderen die Sache häufig noch schlimmer. Doch es geht hier um dich und deine Gefühle und diese sind absolut ernst zu nehmen. Du musst mit deinen Sorgen und deiner Verzweiflung nicht alleine zurecht kommen und das bedeutet, dass man dir helfen kann.

Was du tun kannst, um deine Seele zu entlasten

Wenn es zu solchen Gedanken kommt, aber auch schon vorher, ist es sehr wichtig, dass du mit deinen seelischen Lasten nicht alleine bleibst. Findest du nicht die Kraft, mit Freunden oder deiner Familie darüber zu sprechen, oder kannst du dich aus anderen Gründen niemandem anvertrauen, den du kennst, ist es sehr wichtig, dir professionelle Hilfe zu suchen.
Ein erster Schritt kann ein anonymes Telefonat oder persönliches Gespräch bei einer Krisen- oder Beratungsstelle sein. Hier findest du konkrete und schnelle Hilfe. Schon im ersten Gespräch können Fachleute dir helfen, in der akuten Krise deine Gefühle langsam wieder zu ordnen, einen Plan zu machen, wie es weitergehen kann und etwas später vielleicht eine Psychotherapie zu beginnen. Im akuten Notfall kannst du dich zu jeder Tages- und Nachtzeit auch an ein Krankenhaus wenden.
Was in einer Psychotherapie passiert
In der therapeutischen Arbeit, wie sie auch unsere Praxis anbietet, geht es vor allem darum, dich zu stabilisieren, bei Bedarf auch mit speziellen Medikamenten, die dir ein spezialisierter Arzt (Psychiater) verschreibt und dessen Wirkung überwacht. Des Weiteren können dir die entlastenden Gespräche dabei helfen, wieder Vertrauen in deine eigene Person, aber auch in andere zu finden, um dann nach und nach an den Problemen zu arbeiten, die zu dem ganzen seelischen Chaos geführt haben.
Dabei entwickelst du gemeinsam mit deinem Therapeuten neue Strategien oder stärkst deine bereits erlernten konstruktiven Handlungsmuster, um mit neuen Krisen besser umgehen zu können.

Was ist mit der Familie?

Bei Bedarf kann es auch wichtig und sinnvoll sein, früher oder später zum Beispiel deine Eltern oder andere enge Vertrauenspersonen mit einzubeziehen. Auch für sie ist es wichtig, zu erfahren, dass du in eine so tiefe Krise geraten bist und im besten Falle können sie begleitend zur Therapie mithelfen, deine Situation zu verbessern.
So wirst du vielleicht besser verstanden und es kann von mehreren Seiten an bestimmten Konflikten gearbeitet und Missverständnisse können schneller beseitigt werden.
Dein wichtigster Schritt ist zunächst aber, dass du mit jemandem darüber sprichst, um aus deinen eigenen Gedankenkreisen herauszukommen. Du musst deine seelischen Belastungen nicht allein tragen.
Die Verfasserin des Artikels arbeitet in einer Kinder- und Jugendpsychotherapeutischen Praxis.

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